Der Tod des Todes?

(Trilogie in vier Akten oder so...)

Literarische Ergüsse von Katharina Rehse

Römisch Eins

 

Der Tod, verliebt in Edelgund,

sah dies als legitimen Grund,

sie wegzuraffen von der Erde,

auf dass sein lieblich Weib sie werde.

 

Doch lief das alles nicht nach Plan,

denn schließlich war sie noch nicht dran.

Auch kam hinzu – erschwerend sehr –

sie war verliebt in Rüdiger.

 

Und Rüdiger war lieb zu Gund,

drum hatte diese keinen Grund,

in Depressionen zu zerfließen

und sich dabei auch zu erschießen.

 

Der Tod – verzweifelt wie er war –

nun folgende Idee gebar:

„Ich mach mich schick und bräune mich.

Das hilft schon mal gelegentlich,

die Erdenweiber zu verblenden

und sich nem Andren zuzuwenden.

Besticht mein Äußeres mit Glanz,

gehört sie mir am Ende ganz.

 

Gesagt, getan! Nur ging es schief.

Das Mark ihm aus den Wirbeln lief,

als er versuchte sich zu grillen.

Danach griff er zu Bräunungspillen.

Doch fielen die zu Boden wohl,

denn er war innen leider hohl.

Make up hielt bis zum nächsten Regen.

„Der Tod zu sein, das ist kein Segen!“

 

Sein Seufzer käme wohl vom Herzen,

wenn er eins hätte, doch zu Scherzen

war er beileib' nicht aufgelegt.

Dazu war er zu aufgeregt.

„Die Lieb' ist da, ich fühl es doch!

Kein Herz, doch auch kein finstres Loch!

Was mach ich bloß? Was mach ich bloß?

Natürlich! Ich brauch Hemd und Hos'!

Die lass ich mir beim Schneider machen.

Das sind besonders feine Sachen.

Sowas macht Eindruck, wirkt erhaben.

Bald kann an Gundi ich mich laben.“

 

Der Weg zum Schneider – ein Genuss – ,

nur, dass der Tod dann warten muss.

Denn leider hat der noch nicht offen,

auch Schneiderlein sind mal besoffen.

Er hatte nämlich eine Krise.

Die Frau war weg, sie hieß Elise.

 

Wie dem auch sei, er kam dann schließlich.

Doch war die Stimmung sehr verdrießlich.

Er macht die Türe auf – mit motzen:

„Das ganze Leben ist zum kotzen!“

 

Den Tod er sieht! Der Schneider greint:

„So war das aber nicht gemeint!“

Der Tod versucht ihm beizubringen,

dass er nicht muss jetzt mit ihm ringen.

 

„Du sollst mich einfach nur bekleiden.

Von mir aus darfst Du weiter leiden.“

Der Schneider aber, starr vor Schrecken,

er glaubt nicht unsrem finstren Recken.

Greift an die Brust sich, röchelt schwach:

„Ein ganz beschissner letzter Tach.“

 

Er klappt zusammen, hampelt noch.

Der Tod schreit: „Nein! Ich brauch Dich doch!

Dein Leben will ich nicht von Dir!

Mach mir nen Anzug! Jetzt! Und hier!“

Doch's Schneiderlein ist zu beklagen.

Er stirbt sofort an Herzversagen.

 

Der Tod, er ringt um Fassung sehr:

„Ich begreif' die Welt nicht mehr.

Mit Kleidern wollt' ich auf die Balz,

nun hab ich eine Leich' am Hals!

Des Mordes werde ich gefasst

und komme sicher in den Knast.

Oh, Gundi, wärst Du doch jetzt hier!

Servierend mir ein kühles Bier.

Die Liebe, die ich zu Dir habe,

trug leider diesen Mann zu Grabe.

Edelgund, komm, hilf mir jetzt!

Ich bin ganz fürchterlich entsetzt!“

 

 

Doch da sein Flehen ungehört,

der Tod am Boden nun zerstört.

Er weinte ewig und drei Tage

ob seiner aussichtslosen Lage.

Und dann, ganz mitten in der Nacht,

hat er mit sich was ausgemacht:

„Die Gundi, nein, die liebt mich nicht.

Mit den Klamotten, dem Gesicht...

Viele sterben, wenn ich komm,

ist meine Absicht noch so fromm.

Ich halte das nicht länger aus.

Ein Ende setz ich diesem Graus!

Ich bring mich um, das mein ich ehrlich,

denn ich bin wirklich sehr gefährlich.

So kann und will ich nicht mehr leben.

Drum werde ich ein Gift mir geben...

 

Wird der Tod es denn auch schaffen,

sich ewiglich dahinzuraffen?

Wenn das klappte, wär's famos?

Oder geht’s nach hinten los?

 

 

In römisch 2 kannst Du bald lesen,

ob's Plänchen ein Erfolg gewesen.

 

Römisch 2

 

Nach unerfülltem Liebesreigen,

der Tod sich hüllt in zähes Schweigen.

Gedanken kreisen noch und nöcher:

 

"Schieß in den Bauch ich mir jetzt Löcher?

Oder Gift, wie erst erwogen?

Dann hätte ich auch nicht gelogen.

Den Strick ich auch nicht ganz verachte,

nur kam schon vor, dass der dann krachte....

Ein schöner Anblick ist das nicht,

man saust herab, der Knochen bricht...

Soll ich verdursten mich und darben?

Es gibt sehr viele, die so starben.

Nein! Halt! Ich lass mich überfahren.

Das ist bewährt seit siebzig Jahren.

Ein großer Bus, direkt von vorn,

zieht mir heraus den Liebesdorn!"

 

Er grübelte, sehr mit Bedacht,

wie wohl am schnellsten Schicht im Schacht.

Dann fiel's ihm ein in dieser Zeit,

denn er war wirklich sehr bereit:

"Es hilft nix, drüber zu studieren!

Ich muss es einfach ausprobieren.

Wie wäre es mit Rattengift?

Die inneren Organe trifft dies und macht,

das auch zuweilen

der Folgeschaden kann nicht heilen.

Das hol ich mir und dafür spricht

auf Etiketten mein Gesicht.

Gar lieblich ist mein Bild darauf.

Die Flasche geht auch sehr leicht auf.

Und das ist wichtig, denn zuweilen

Gewissensbisse den ereilen,

der sowas vorhat und deswegen

ist schnelles Öffnen hier ein Segen."

 

Er kippt das Zeug und legt sich quer

zu Boden - und da wartet er...

Doch nichts passiert, er ist nicht ot.

Nun sieht er aber langsam rot:

"Sollt' dieser Kram, mit meinem Siegel

nur wirken wie ein Schokoriegel?

Gewissen schlecht? Geblähter Bauch?

Entschuldigung? Das war es auch?

Kein Tod? Kein Sterben? Kein Verbleichen?

Dann werd' ich mir was Andres reichen.

Beschweren tue ich mich später.

Jetzt muss bestehen ich - als Täter.

Gemeuchelt mich durch eigne Hand.

Was jetzt? Ich setzte mich in Brand!"

 

Benzin und Feuer - schnell erworben -

"Nun wird, verdammt nochmal, gestorben!"

Er brennt sehr schön. Ihm wird auch heiß.

"Was ist denn das jetzt für ein Scheiß?!"

Ruft er, weil nach der Hitzewelle

nicht überschreitet er die Schwelle,

die es zu überwinden gilt,

wenn man sich wild entschlossen killt.

In voller Knochenpracht er sitzt,

nur, dass er noch ein wenig schwitzt.

 

"Es ist nicht Sinn und Zweck der Sache,

dass ich mich hier zum Deppen mache!

Woran mag's liegen, dass ich lebe,

obwohl ich doch nach sterben strebe?

Will meine Seele noch nicht scheiden?

Die konnt' ich sowieso nie leiden!

Ich werde ihr den Arsch versohlen,

wenn sie verweigert, mich zu holen.

Wohl an, ich werd's nochmal probieren

und mich jetzt endlich ausradieren."

 

Als nächstes wählt er die Pistole

und ziehlt auf seine Nuss - die hohle.

Es scheppert laut und stinkt auch fein:

"Das also wird mein Tod jetzt sein."

Doch nicht der kleinste Knochen splittert,

sie sind auch keineswegs zerknittert.

Ein wenig schwarz ist er um's Kinn:

"Anscheinend krieg' ich das nicht hin!"

 

Er weinte viel, er weinte lang

und er erwog jetzt einen Strang.

Doch dazu kam es dann mitnichten.

Die Wolken fingen an zu lichten.

Und unter ihm der Boden auch,

da war auf einmal nur noch Rauch.

 

Der Tod erschrak: "Bin ich DOCH tot?"

"Natürlich nicht, Du Vollidiot!"

Erscholl's zwei Mal in seiner Nähe,

eins aus dem Schnabel einer Krähe,

das Zweite kam von einer Taube,

die weiß war, wie ne Schwesternhaube.

 

"Die Arbeit hast Du schleifen lassen!

Schau Dir nur an die Menschenmassen!

Dei Meute lacht ganz dick und feist,

weil keine Sau in's Gras mehr beißt!"

 

Dem Tod es langsam dämmerte,

wer ein da auf ihn hämmerte,

verbal, versteht sich, und sogleich

war er geschwind nochmal so bleich.

"Gut, lasst uns reden," japste er,

"denn eine Lösung muss jetzt her."

 

Wie wird die aussehn? Wie geht's weiter?

In römisch drei seid ihr gescheiter...